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Short story

Heiterkeit im ganzen Hause

A shy parliamentary stenographer in the Bundestag, who records every word spoken in the chamber, has never managed to say more than two words to the colleague who relieves him.

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Words to know (12)
  • die Heiterkeit · amusement, cheerfulness
  • der Parlamentsstenograf · parliamentary stenographer
  • das Plenarprotokoll · official record of a parliamentary sitting
  • der Zwischenruf / der Zuruf · interjection, heckling / call
  • der Spott · mockery
  • der Turnus · rota, rotation
  • sich über etwas auslassen · to hold forth about something
  • die Beschlussempfehlung · (committee's) recommendation for a resolution
  • Bestand haben · to last, to endure
  • das Misstrauensvotum · vote of no confidence
  • vermerken · to note, to record
  • die Untertreibung · understatement

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Seit zweiundzwanzig Jahren sitze ich im Plenarsaal des Deutschen Bundestages an dem kleinen Tisch unterhalb des Rednerpults und schreibe auf, was gesagt wird. Alles: die Reden, die Fragen, die das Klingeln der Glocke. Wir wechseln uns alle zehn Minuten ab, damit die Hand nicht ermüdet und der Kopf nicht anfängt, mitzudenken, was in diesem Beruf eine Gefahr ist. Was wir schreiben, wird zum und das ist, so sagt unser Dienstältester gern, das Einzige, was in diesem Haus garantiert für die Ewigkeit beschlossen wird.

Unser Handwerk hat eine eigene Sprache, und sie ist feiner, als man denkt. Wenn eine Fraktion über die andere lacht, schreiben wir „Lachen“. Wenn aber das Haus über etwas lacht, ohne dass einer den anderen auslacht, schreiben wir Der Unterschied ist der zwischen und Vergnügen, und ihn im Bruchteil einer Sekunde richtig zu treffen, ist, bei aller Bescheidenheit, eine Kunst. im ganzen Hause“ kommt selten vor. Ich habe es in zweiundzwanzig Jahren elfmal geschrieben.

Johanna Seidel kam vor drei Jahren aus dem Sächsischen Landtag zu uns, und seither löst sie mich ab, oder ich sie, je nach Der Wechsel folgt einem stillen Ritual: Der eine erhebt sich, der andere setzt sich, man nickt sich zu, und dazwischen fallen zwei Wörter, nämlich „Bitte“ und „Danke“. Mehr haben Johanna und ich in drei Jahren nicht miteinander gesprochen, wenn man von einer Weihnachtsfeier absieht, bei der ich mich über die Kommasetzung in habe, bis sie höflich zum Buffet entkam. Ich lese aber ihre Protokolle. Sie unterscheidet „Widerspruch“ von „Unruhe“ mit einer Sicherheit, um die ich sie beneide, und sie hat einmal einen so festgehalten, dass der Abgeordnete, der ihn gemacht hatte, um eine Korrektur bat, weil er im Protokoll klüger klang, als er gemeint war. Es gibt Menschen, die sich in Augen verlieben. Ich habe mich in Klammern verliebt.

Im November tagte das Haus bis tief in die Nacht. Um zwanzig vor zwei stand die zweite und dritte Beratung eines Gesetzes zur Änderung des Bundeswaldgesetzes auf der Tagesordnung, im Saal saßen noch einunddreißig Abgeordnete, und am Pult stand Hinrich Ohlsen aus Schleswig-Holstein, zweiunddreißig Jahre im Bundestag, der an diesem Abend seine letzte Rede hielt. Er sprach über Buchen und Borkenkäfer, und dann, als die rote Lampe am Pult schon blinkte, wandte er sich an die Er danke ihnen, sagte er, für zweiunddreißig Jahre Geduld, „denn Sie schreiben alles auf, was wir sagen, und gnädigerweise nicht alles, was wir meinen“. Ich schrieb:

Dann drehte er sich zu mir um. „Und Ihnen, Herr Brenner, möchte ich zum Abschied Folgendes mit auf den Weg geben. Wenn Sie der Kollegin Seidel endlich sagen würden, was dieses Haus seit drei Jahren weiß, dann hätten wir heute Nacht wenigstens einen Beschluss gefasst, der hat.“ Ich schrieb. Ich habe in meinem Leben Haushaltsdebatten, und einen Abgeordneten mitgeschrieben, der in Reimen sprach; nichts davon war so schwer wie das Schreiben meines eigenen Namens in ein amtliches Dokument, während einunddreißig Volksvertreter mich ansahen. Die Präsidentin läutete die Glocke. „Herr Kollege, die sind nicht Gegenstand der Beratung.“ „Noch nicht, Frau Präsidentin“, sagte Ohlsen.

In diesem Moment war mein zu Ende. Ich erhob mich, und Johanna setzte sich, und wir sahen einander an, länger als das Ritual es vorsieht. „Bitte“, sagte ich, weil mir nichts anderes einfiel. Sie nahm den Stift, schrieb etwas und sagte dann, laut und deutlich, in die Stille des fast leeren Saales hinein: „Ja.“

Am nächsten Morgen lag das vorläufige Protokoll auf meinem Schreibtisch. Ich las die Stelle so oft, dass die Kolleginnen anfingen, sich Sorgen zu machen. Nach Ohlsens Satz stand dort, in Johannas tadelloser Ordnung: Ja!)“, und darunter: im ganzen Hause – Beifall)“. Wer gerufen hatte, war nicht Das ist bei aus dem Saal so üblich, wenn man den Rufer nicht zweifelsfrei zuordnen kann, und Johanna, so viel steht fest, hat noch nie etwas was sie nicht zweifelsfrei zuordnen konnte.

Wir haben im Mai geheiratet. Hinrich Ohlsen hielt eine Rede, die deutlich länger war als die zulässige Redezeit, und ich habe sie, aus alter Gewohnheit, auf einer Serviette mitstenografiert. Ich habe am Ende „(Lebhafter Beifall)“. Es war, protokollarisch gesehen, eine Aber für im ganzen Hause“ gibt es eben keine Steigerung, und das zwölfte Mal gehörte ohnehin Johanna.

Comprehension check

0/4 answered

1. What is the difference between "Lachen" and "Heiterkeit" in the parliamentary record?

2. What has Brenner fallen in love with, according to himself?

3. Why is writing Ohlsen's remark so hard for Brenner?

4. Why does Brenner know who called out "Ja!", even though the record doesn't name the person?